LOUDBOY

John Andrews ist Loudboy, ein Pseudonym, das Page Hamilton (Helmet) ihm nach kurzer Zusammenarbeit hinterließ. Andrews, langjähriger Gitarrist der New Yorker Independent-Rock-Institution Botanica, hat einiges zu erzählen auf seinem Debütalbum. Dass Nena und ex-Bauhaus-Sänger Peter Murphy hier als Backgroundsänger auftreten, ist nicht das einzige Ungewöhnliche daran.

Doch zuerst: Ein Raum. Hier findet es statt. Jemand zählt an. Eine satte, angezerrte Gitarre rutscht in ein knochig rumpelndes Blues-Schema mit breitem Pop-Refrain und drahtigem Gitarrensolo, als wäre Clapton erst 19 und Harrison nicht tot. Gerade und schnörkellos bewegt sich Andrews' Gesang an der ausgetüftelten Harmonieführung entlang wie ein voll aufgedrehter, elektrischer Elliott Smith.

Sein stilistisches Spektrum als Gitarrist, gepaart mit großem Einfühlungsvermögen und ordentlich Chops, ist definitiv unalltäglich. Die Band ist sehr beisammen, besteht aus Musikern, denen die langjährige Erfahrung nicht den Appetit verdorben hat.

„Welcome to my story / I have some things to tell / about waking up and dreaming still / sometimes I just can't tell.“ („Rabbit & Turtle Take The City“)

So beginnt der programmatische Opener einer dynamisch heterogenen, schlüssigen Rockplatte, die von Suche und Selbstfindung in Zeiten der Kernschmelze erzählt. Hallo! Hier ist die Gegenwart.

Erlebnisse, Befindlichkeiten, emotionale Optionen. Spirituelle Ahnungen und „Nahwahnerfahrungen“. Irritation, Selbstentfremdung, Suff, Verlust, Trost und Hoffnung. Wühlender Bass, hämmerndes Schlagzeug, lange gedeckelte Emotionen, frei gesetzt in traumartigen Bildern. 13 Songs, geschrieben um zu überleben. Offenes Visier, nicht Nabelschau. Einladung statt Egotrip.

„In & out and in & out / my mind is burning up with doubt / (…) / I'm blind to see that I can't control my reality.“ („In & Out“)

„Wonderful“ entwirft ein Endzeit-Szenario in physischen Bildern unweit W.S. Burroughs („antibodies piss and glowing makes my skin itch and crawl“), während das schüttere „Underhill“ sachte mit indisch Anmutendem spielt, um schließlich große Rockballade zu werden.

„Pretty Bleak“ ist angeschlagen, schleppend, ein düsteres Funkeln, veredelt durch die sinistre zweite Stimme Peter Murphys für den Andrews seit 2009 spielt. Nena, deren unverkennbares Timbre leise durch das zarte „Hiding“ weht wie ein Kinderlied, holte Andrews 2006 in ihre Band. Große Namen, die geben, was sie haben statt sich prominent zu gebärden. Freunde.

P.S.:
„We made some contact the way we're feeling / and today I
feel a little more / 'cause the space inside me is
filled with a love / that I can't contain anymore.“ („Rabbit & Turtle Take The City“)
Rolf Jäger

John Andrews – Gesang, Gitarre
Derek von Krogh - Bass, Keyboards
Philipp Palm – Drums
Phillip Lethen – Kontrabass
Anne De Wolff – Geige, Bratsche
Antonio Graci – Percussion

Gäste:
Nena, Peter Murphy – Gesang

NEOGENE

Das zweite Album der Aachener Band neogene erschien im Februar auf unserem Label rent a dog:

Artist: NEOGENE
Album: hunting
VÖ: 04. Feb. 2011

Gitarren, Bass, Schlagzeug. Dynamiken zwischen Brett, Krach und Stille. Melodien, so treu wie Gold. Lyrisches Mäandern, große Bögen, helle Punkte, die klare Stimme einer Sängerin. Gegensätze, die keinen Widerspruch darstellen für die Aachener Rockband neogene, die es ebenso amtlich krachen lassen wie still berühren kann. Ihr zweites Album „hunting“ verbindet ein hohes Energielevel auf bundesweit derzeit einzigartige Weise mit sensibler Emotion. Der Trick dabei: Es gibt keinen!

neogene ist eine „echte“ Band, mehr als das musikalische Projekt reifer, erfahrener Musiker. 5 Freunde, die sich auch als Menschen schätzen und respektieren und davon künstlerisch profitieren. Die musikalische Kohärenz ist unüberhörbar, Songwriting und Handwerk sind auf konstant hohem Niveau. Die Arrangements sind ausgefeilt, die Produktion ist geschliffen und minuziös und kommt leicht ohne grelle Soundeffekte aus: Effektiv sind die Stücke selbst.

Mit der Cleverness einer Band wie King's X, die ihrem vertrackten Heavy-Rock beatleske Gesangsharmonien verabreicht und Garbage ihrem Hi-Tech-Designerpop Seele geben, arbeiten neogene nach eigenem Gusto mit Einflüssen aller Art. Von den grundlegenden Werten des Beatles-Songbooks und Klassikern wie Led Zeppelin über U2 und Peter Gabriel bis zu den Nine Inch Nails, Foo Fighters und Queens Of The Stone Age. Dass dabei kein Zitate-Allerlei entstanden ist, hat mit Inspiration, Persönlichkeit und Hingabe zu tun. neogene sind sich selbst genug und können es sein.

„hunting“ ist ein wohlgeratener, anspruchsvoller Bastard mit Schweiß und kühler Raffinesse, in die Welt gesetzt von einer Band, die sich ganz auf sich selbst konzentriert statt darauf, wie ein Rockalbum heutzutage zu sein hat. Nichts für die Populärmusikpolizei. Sondern für Menschen, die Musik hören statt zu kategorisieren.
www.neogene.de

SEBASTIAN GRAMSS

Der Kölner Bassist und Komponist Sebastian Gramss überraschte Ende 2010 die Fachwelt mit zwei großartigen Kleinformationen:

Artist: SEBASTIAN GRAMSS' fossile3
Album: Chomics
Label Konnex Records VÖ: 05. Nov. 2010

Rudi Mahall – Bassklarinette
Etienne Nillesen – Schlagzeug
Sebastian Gramss – Kontrabass

fossile3 ....nominated for „German Jazzaward“ 2010

In a world of cellular ring tones and telephone waiting queue melodies, this trio – whose members stem from both Cologne and Berlin – maintains a final contact to the inexhaustible energy reserves of the jazz tradition and gives these fossil fuels a cunning, new frame.

Rudi Mahall and Sebastian Gramss have been playing together for many years in different groups. The Dutch drummer Etienne Nillese makes up the final member of the trio.

“…On “CHOMICS” is strongly influenced by the old shellac and single formats: Short durations, hence we have put the essential in a nutshell. Compact topics, small variations and compromised solos ... short and sweet is the motto….”

Climatic catastrophe – the world is teetering on the brink of collapse! The fossil fuels are running out ....You must be joking! On the trip into the abysmal depths, neo-fossil fuels are unearthed and burned directly. Don’t vacillate: heat! Short and simple
www.www.myspace.com/fossile3


Artist: OIR TRIO
Album: Kanata
Label: Not Two VÖ: 05. Nov. 2010

Frank Gratkowski – reeds
Sebastian Gramss – doublebass
Tatsuya Nakatanim - percussion

Das Trio geht auf eine Begegnung von Tatsuya Nakatani und Sebastian Gramss in NYC im Jahr 2008 zurück. Kurz darauf kam Frank Gratkowski dazu. Seit 2009 spielen die Musiker auf zahlreichen Festivals und Clubkonzerten als oirTrio.

„...The oirTrio started furiously... Tatsuya Nakatami diligently moved along with the band steeping into scratching, beating and violonizing his instruments... ...where Gratkowksi is brash and experimental at every turn, the bassist, Sebastian Gramss, is almost chameleonlike in his ability to mimic and build upon the lines Gratkowski is playing. He's the ultimate support player here, as integral to the sound as any of the others, but sometimes almost disappearing until you listen carefully and realize that the horn line is being doubled, or tripled, by the bowing of the bass..... Compelling, experimental, but also quite beautiful and even poetic.... (MIB)

»Steely, flexible, streamlined, honed –astonishing technique, serious shapes, a distinct approach. More please.« - (The WIRE)
www.www.myspace.com/oirtrio

NO MORE

NO MORE unterschreiben bei rent a dog & Rattay Music.

Als sich im Sommer 2008 Tina Sanudakura und Andy Schwarz entschließen nach 22 Jahren wieder als NO MORE live aufzutreten, ahnt niemand, dass die beiden mit ihrer “BACK FROM THE DEAD”-Tour eine so beeindruckende Konzertreihe hinlegen würden. Vom Bimfest in Antwerpen über Auftritte in Kopenhagen, Stockholm, Athen, Warschau, Mailand, Rom, Rotterdam, Hamburg, München und Berlin bis hin zum M'era Luna Festival spielen NO MORE erfolgreiche Auftritte in ganz Europa.

Bekannt wurde die Band durch den Genre-sprengenden Indie-Klassiker “Suicide Commando”, einem Titel, der seit seinem Erscheinen 1981 nicht nur auf zahlreichen Compilations erschienen ist, sondern auch durch die Remixe von DJ Hell und Echopark immer wieder ins Rampenlicht gestellt wurde. So ist der Song auch heute noch unverzichtbarer Teil vieler DJ-Sets von Dark Wave bis Electroclash, von EBM bis Post Punk, von Electronica bis Indierock.

Mit Rent A Dog als Label und Rattay Music als Co-Verlag haben NO MORE nun einen Partner gefunden, dessen facettenreiches Programm hervorragend zu dem gelebten Eklektizismus der Band passt. Labelmanager UK Rattay arbeitete schon in den 90ern als Produzent mit Tina Sanudakura und Andy Schwarz bei NIJINSKY STYLE zusammen und er hat nach Aussagen der Band auch “keine Angst Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft miteinander zu verweben”.

Auf die Frage, welche Art von Musik, welchem Genre denn NO MORE heute zuzurechnen sind, antwortet die Band: “Wenn wir diese vielzitierte Schublade für uns benennen sollten, wäre dies definitiv Post-Punk-Proto-Electronica-Kraut-Glam. Wir nehmen Songs aus jeder NO MORE Phase, sowie neue Songs und drehen sie dann gemeinsam durch den Zeitwolf. Und heraus kommt großartiger rhythmischer Lärm, Pop halt.”

Das spiegelt auch die erste Veröffentlichung von NO MORE bei Rent A Dog wieder, die Double-A-Side 7’’-Single “Sunday Mitternacht / A Rose Is A Rose” (7’’ Coloured Vinyl/Download). “Sunday Mitternacht” ist eine surreal-böse Clubnummer, die NO MORE mit Electro-Produzent Torsten Stenzel von Echopark geschrieben haben. “A Rose Is A Rose” (ursprünglich für das gleichnamige Mini-Album von 1982 geschrieben) ist eine neue Version dieses hypnotisch treibenden Songs.

NO MORE neues Album „Midnight People & Lo-Life Stars“ (CD/Download) wurde am 12. März veröffentlicht. “It's always impressive when a band go full circle and have the presence of mind to use the music of those they've influenced to re-invigorate their own sound.” schreibt das Londoner Playground Magazin.

Am 23. April erschienen dann die Sunday Mitternacht Remixes: 11 Versionen des kommenden Clubklassikers bearbeitet von Künstlern wie Serpents, Venus 45, Evomania, Plastic Noise Experience, Pneus, Vomito Negro, Channel 3, Technoir, For Greater Good, Jantronics & Yvy Demina als Limited Edition in einer Blechbox.

LORELEI

Artist: ANIRAHTAK-LASK-STURM
Album: Lorelei

Anirahtak - Stimme
Ulrich Lask - Saxophon, Kornett, Althorn, Digitales
Jürgen Sturm - Gitarre

Volkslied als Kunstlied – Kunstlied als Volkslied

„Höre fleißig auf alle Volkslieder; sie sind eine Fundgrube der schönsten Melodien...“
(Robert Schumann)

Das Volkslied ist eine „Erfindung“ des Sturm und Drang. Die Inventarisierung schlichter und einprägsamer Lieder, scheinbar anonymer Herkunft, verband sich mit ihrer romantischen Überhöhung als die „bedeutendsten Grundgesänge einer Nation“, die über Jahrhunderte mündlich tradiert worden waren. Im Gegensatz zum Kunstlied galt das Volkslied als „unverfälschte“ Äußerung von Volksseele, Nationalcharakter und überzeitlichen Sittlichkeitsnormen. Das Volkslied als Kunstideal: Dichter schufen volkstümliche Poesie, Komponisten sangbare Weisen.

Seit den 60er Jahren wurde das Volkslied mehr und mehr verpönt. Heute ist es im kollektiven Gedächtnis so gut wie nicht mehr präsent. Just in dem Moment, da das Volkslied als kollektives Erlebnis versiegt und schlagerorientierte Unterhaltungsmusik weitgehend das traditionalistische Bild gegenwärtiger Volksmusik prägt, wirken Aktualisierungen, die den kunstvollen Charakter dieser Lieder wiederbeleben, befreiend.

Anirahtak, Ulrich Lask und Jürgen Sturm unternehmen den Versuch, das Schisma zwischen E- und U-Musik, zwischen Kunst- und Volkslied zu überbrücken. Ihre Aufmerksamkeit gilt der einfachen Melodie, die mit zeitgemäßen Mitteln zu einem differenzierten, facettenreichen Klangbild geformt wird.

ARTISTS

Unser Verlagskatalog erfreut konstantem Wachstum in Genres wie Alternative, Pop, Electronica und Jazz. Dafür sorgen nicht zuletzt der Amerikaner Paul Wallfisch mit seiner Band BOTANICA, John Andrews mit seinem Projekt LOUDBOY, das ehemalige Mastermind der deutschen Kultband M.WALKING ON THE WATER Markus Maria Jansen sowie NO MORE mit Tina Sanudakura & Andy A. Schwarz.

Wir freuen uns über die intensive Zusammenarbeit mit den nachfolgenden Komponisten: Henry Altmann, Sebastian Gramss, Udo Moll, Jarry Singla, Jürgen Sturm, Jeff Gauthier, Werner Hasler, Sven Rossenbach, Florian Van Volxem, Harald Bernhard.

Darüber hinaus sind wir der Sub-Verleger des Gesamtkataloges von Jilmar Music voller US-Punk Klassikern und der Werke der aus Brooklyn stammenden Band Gutbucket, die zur Zeit wieder in Europa auf Tournee ist.


FINETUNES: Unser Katalog wird über Finetunes digital vertrieben. Und hier kommt der Link, auch zum Vorhören:
Finetunes

La KaffeehausAvantgarde

Amuse-Keule
rent a dog

Eine universale Konstante menschlichen Lebens ist das Café, die Bar. Wie dort lässt La KaffeehausAvantgarde Zeiten, Räume und Zitate aufeinanderprallen, altes Holz mit neuen Klängen knutschen, Juliette Grecco mit Chuck Berry zechen und Don Giovanni ‚I Can’t Get No Satisfaction’ singen.

„La KaffeehausAvantgarde, das sind sechs Musiker mit internationalem Hintergrund, die sich weniger als ‚Band’, sondern als ein musikalisches Prinzip verstehen, das Musik und Drama, Unterhaltung und Konzert mischt und vor allem zweierlei bewahren will: Neugier und Offenheit.“ Die Zeit

Wild! Wahnsinnig!! Melancholisch!!! Freewohles Multi-Kulti-Kaffeekränzchen mit Musik, die zu Füßen liegt und auf der Nase herumtanzt! Allgäuer Zwiefacher im Salsatakt, Mambos im Gipsbein, fehlgetretene Tangos und tschechische ChaChás, italienische Zirzensien, Balkanblues und triste Franzismen. Die Kraft des Jazz, die Melancholie des Tango, rumpelnde Rumbas und zickige Zirkusmelodien, die Kunst des Kontrapunkts, die Power des Punk und der Charme des Chansons, Spanische Reiter in der (getürkten) sizilianischen Verteidigung, arabische Nächte in böhmischen Dörfern, wir schöpfen aus vielem und mixen ganz neu, liegen zu Füßen und tanzen auf der Nase herum. „Die schönste Musik zwischen Tango und Punk“ Hamburger Morgenpost

Die Titelnamen klingen genauso eigenartig wie die Musik selbst und wie die Aussagen darüber. Die Mitglieder und Gäste des La-KaffeehausAvantgarde-Pools zählen zu jenen Outlaws, vor denen weder 4/4-Takt noch Taktlosigkeit sicher ist, international gesucht allesamt, in New York (Christophe Schweizer), der Schweiz (Phillip Schaufelberger, Samuel Rohrer), in Russland (Jana Mishenina), Tschechien (Jakub Štorek), Cuba (Arturo Martínez Cabrera), der ex-DDR (Pascal von Wroblewsky), Frankreich (Nathalie David), in Hamburg (Edgar Herzog, Yogi Yockusch, Dirk-Achim Dhonau), Finnland (Kalle Kalima) oder in Palermo (Henry Altmann), alle bewaffnet bis an die Zähne ihrer Möglichkeiten, genau die Band also, der man bedenkenlos eine harmlose Volksmusik anvertraut.

Gefälligkeit ist ihr Wunsch, Gefährlichkeit die Geliebte. Poetische Passagen, -musikalische Pistoleros kennen die Einsamkeit gut-, werden von der harten Rhythmus-Realität eingeholt. Die Fahrt durch die variationsreichen Windungen und Wendungen einer Alpenländischen Volksmusik wird zum wüsten Ritt über eine scharf gezackte Gebirgskette, in deren Schluchten die Skelette der französischen Moderne, rhythmische Schrapnells aus Lateinamerika, Improvisation und skurrile Poesie verbleichen.
www.kaffeehausavantgarde.de

JARRY SINGLA

Daji Tulaji
AO-NRW

Jarry Singla: piano, prepared piano
Julian Argüelles: tenor & soprano saxophone
Peter Kahlenborn: drums, percussion
Christian Ramond: bass

Im Januar 1998 gründete Jarry Singla sein Quartett mit dem britischen Saxophonisten Julian Argüelles, dem Kölner Schlagzeuger Peter Kahlenborn und dem deutsch-indischen Kontrabassisten Christian Ramond.

Die Gruppe spielt ausschließlich Jarrys Musik, in der er europäisches Musikfundament mit den Spielarten des Jazz sowie der Folklore und der Tradition der Kunstmusik außereuropäischer Länder verbindet. Kompositionen, in denen die modale Harmonik nordindischer Musik und afrokubanische Rhythmen miteinander verschmelzen stehen neben Arrangements ukrainischer Volkslieder; Bearbeitungen japanischer Gagaku-Musik gehören ebenso zum musikalischen Spektrum wie durch südeuropäische Blasmusik oder barocke Mehrstimmigkeit inspirierte Stücke.

Auf dem jetzt vorliegenden neuen, dritten Album „Daji Tulaji“ werden alle diese Einflüsse zu einem homogenen Ganzen verfeinert. „Daji Tulaji ist ein Phantasiebegriff, dessen Klang für mich zu der Musik passt – ich habe den Titel für die CD also völlig intuitiv ausgewählt“, meint Jarry Singla.

„Die Stücke „Misión Dolores I und II“ sind entstanden als Theatermusik für das auf einem Text des mexikanischen Schriftstellers Fernando de Ita basierende Theaterstück „Día de Campo“, das in der Sala Xavier Villaurrutia (Instituto Nacional de Bellas Artes, Mexiko-Stadt) unter der Regie von David Hevia 2004 inszeniert und aufgeführt wurde. „Misión Dolores II“ hatte in der Theaterfassung sogar einen Text und wurde gesungen,“ erläutert der Komponist weiter.

„Die Komposition „Fitozou“ entstand 2004/2005 im Auftrag der „Kölner Orchester Gesellschaft“ und wurde 2005 in einer Fassung für Sinfonieorchester und Klaviertrio (Klavier, Kontrabass, Schlagzeug) in der Hochschule für Musik Köln uraufgeführt.“

„Die Idee der Interludes auf der CD und auch des Einsatzes von präpariertem Klavier beruhen auf meinem Interesse für die unterschiedlichsten Klangwelten. „Brüche“ in der Musik sind mir wichtig. Damit meine ich das Einfügen unerwarteter Klänge, das Nebeneinanderstellen scheinbar nicht zusammengehörender Klänge, das Durchbrechen von Kategorien, Schubladendenken, etc..“ beschließt Jarry Singla seine Ausführungen zu den Kompositionen.

Jarry Singla
Der deutsch-indische Pianist und Komponist Jarry Singla lebte in den vergangenen zwölf Jahren in New York, Mexico City und Köln. Die zahlreichen musikalischen Erfahrungen und Begegnungen in diesen Orten beeinflussten immer wieder seine Musik, in der er europäisches Musikfundament mit den Spielarten des Jazz sowie der Folklore und den Traditionen der Kunstmusik außereuropäischer Länder verbindet. Zu Jarrys Arbeiten gehören Kompositionen für sein Ensemble sowie für Jazzklaviertrio und Sinfonieorchester. Mit dem Ensemble „Borderland“ der ukrainischen Sängerin Mariana Sadovska wurde er mit dem „Creole Preis für Weltmusik aus NRW“ ausgezeichnet.

In der Vergangenheit arbeitete er u.a. mit John Schröder, Hayden Chisholm, Jochen Rückert, Sonny Fortune und Celine Rudolph, im Grenzbereich Jazz/Weltmusik mit der koreanischen Sängerin Ae-Ran Oh und den mexikanischen Musikern Omar und Emilio Tamez. 2008 wurde er eingeladen zu einer Studioproduktion in Manhattan mit den New Yorker Musikern Bruce Arnold (Gitarre), Ratzo B. Harris (Bass) und Tony Moreno (Drums).
www.jarrysingla.com

das mollsche gesetz

CATALOGUE OF IMPROVISATION
WERGO

Um wenig wurde in der Musik so viel Lärm gemacht wie um die Stille. Dabei gibt es sie eigentlich gar nicht. John Cage selbst, der 1952 mit seinem berühmten 4’33“ die ganze Diskussion erst angestoßen hat, bemerkte in einem vermeintlich schalltoten Raum, dass er immer noch das Brummen seines Blutkreislaufs und das leichte Pfeifen seines Nervensystems wahrnehmen konnte. So ist denn auch schon 4’33’’, die Mutter aller musikalischen Stillen, ganz und gar nicht lautlos. Während ein Musiker auf der Bühne 4 Minuten und 33 Sekunden keinen einzigen Ton spielt, hört man eine ganze Menge: Den eigenen Atem, eine Klimaanlage vielleicht, das Rascheln neben und das Husten hinter einem. Stille ist eine Idee, kein Zustand.

Daran kann auch Autorität nichts ändern. Udo Moll, Matti Muche und Sebastian Gramss, die Erfinder und Vollstrecker des Mollschen Gesetzes, lassen sich auf ermüdende Grundsatzdebatten klugerweise gar nicht erst ein. Wenn, so der erste Paragraph des Gesetzes, maximal 60 Sekunden lang Musik gemacht wird, folgt, so sagt der zweite Paragraph, eine gleichlange Pause. Und eben keine Stille. Die Musik hört einfach auf und wartet. Oder besser: sie schweigt. Das schöne deutsche Wort „Schweigen“ drückt eigentlich ziemlich genau aus, um was es geht: Es geht darum, sich zurückzuhalten, Platz zu machen, Zeit zu gewähren. Bloß für was?

Wenn Moll, Muche, Gramss und ihre Gäste nach kurzer Tat die Instrumente absetzen, wird man vielerlei gewahr. Zunächst wohl, wie lang eine Minute sein kann. Vor allem dann, wenn man wartet, wartet auf das nächste Stück. Das gesetzlich verordnete Schweigen ist gleichwohl alles andere als vertane Zeit, sie ist, wenn man so will, gänzlich erfüllt, nämlich mit Nachhall und Erwartung: was war gerade, was mag kommen? Schon die allererste Pause setzt solch ein Fragezeichen. Der Start der für Musiker und Publikum gleichermaßen sichtbaren Stoppuhr bringt nicht etwa augenblicklich die Musik in Gang, sondern ist Auftakt der ersten Pause. Vielleicht ist sie sogar die wichtigste von allen, macht sie doch unmissverständlich klar, dass die Pausen nicht bloß Lücken sind, die ein Kontinuum unterteilen, sondern gewissermaßen Erlebniseinheiten eigenen Rechts. Und sie sind, nun doch ganz im Sinne Cages, durch und durch musikalisch, bloß spielt diese Musik nicht auf der Bühne, sondern im gedanklichen Innenraum des Publikums.

Man täte aber dem Mollschen Gesetz selbst ein Unrecht, wenn man es auf den zweiten Paragraphen reduzieren würde. Das Gesetz regelt schließlich nicht nur die Zeit, in der keine Musik, sondern auch die Zeit, in der sehr wohl Musik gespielt wird. Der Freiraum, den das Gesetz den Musikern zur eigenen Gestaltung gewährt, scheint, anders als im Fall der Pause, jedoch verhältnismäßig eng bemessen. Nicht mehr als 60 Sekunden pro Stück, zu wenig, um Musik zu machen? Mitnichten, wie man hört! Mit und in 60 Sekunden kann man sehr viel anstellen, allein oder zu zweit, dritt, viert oder fünft hier und dorthin gehen, sich lange vorsichtig beschnuppern oder gleich gemeinsame Sache machen. Und man kann all das sogar tun, ohne sich zu hetzen. Moll und seine Gesetzeshüter sind nirgends in Eile. Man ist eher überrascht, wie viel Zeit sie sich lassen, obwohl doch scheinbar so wenig nur genehmigt wird.

Vielleicht, so mag man in einer der vielen Pausen denken, ist der freie Mensch und Musiker ja gar nicht der, der ohne Gesetze lebt. Sondern der, der sich im Gesetz so bewegt, als gäb es gar keins.
Raoul Mörchen 2008
www.dasmollschegesetz.de

BOTANICA

„Who You Are“ heißt das neue, sechste Studio-Album von Botanica, das am 5. Februar 2010 erschienen ist, gefolgt von einer Europa-Tour ab Mitte Februar.

Bandleader Paul Wallfischs bewegende Stimme ist und bleibt das Markenzeichen der Band und dennoch macht er diesmal Platz für gleich zwei weitere Leadsänger: Gitarrist John Andrews (Peter Murphy, Nena) glänzt in seinen Songs, dem provokanten „Cocktails On The Moon“ und der post-psychedelischen Hymne „Xmas“, während Dana Schechter (American Music Club, Bee And Flower) mit „You Might Be The One“ im Duett mit Paul Wallfisch an grandiose Duos wie Lee & Nancy erinnern lässt.

Liebe, Wahnsinn und weitere menschliche Ausnahmezustände ebnen Botanica den Weg in eine stilistisch vielfältige Songauswahl, mit der sie an die Erwartungen ihrer Fans anknüpfen – krummen Takten wie im Titelsong „Who You Are“, Uptempo-Nummern wie „Witness“, Melancholischem in „Anhalter Bahnhof“ oder dem vorwärts preschenden Rock-Song „Perfection“.

Eine zentrale Stimmung des Albums, dessen Arbeitstitel „Love“ war, ist die Sehnsucht wie in „Because You’re Gone“, für das die New Yorker Musik-Ikone Little Annie den Text schrieb, und die Trauer um einen Verstorbenen in „Backlit“: „If I dial your number, has it been reassigned“ heißt es unendlich traurig im Text. Wallfischs eigener Song-Favorit ist aber eindeutig „For Love“ mit seinem unwiderstehlichen Mississippi-Delta Feeling. Schließlich ist es aber die erhabene Schlussnummer des Albums „So Far From Childhood“, die Trost spendend verbreitet: „I’m going up, down is where you don’t have to be“.


Aufgenommen in New York und Aachen, der Heimat ihres langjährigen Labels rent a dog, produziert im bewährten Team Wallfisch / Rattay und gemischt von Jürgen Müller, der auch schon für das 2009er Live-Album americanundone zum 10-jährigen Bestehen der Band verantwortlich war, ist Who You Are zum einen das ultimative Botanica-Album und zum anderen ein Aufbruch in neue musikalische Abenteuer, denn seit der Veröffentlichung von The Magnetic Waltz im Jahr 2007 hat sich viel ereignet im Botanica-Kollektiv:

Paul Wallfisch nahm 3 Alben mit der New Yorker Musik-Ikone Little Annie auf und begleitete sie auf mehreren Tourneen, so auch jetzt im November 2009. Im Sommer 2010 wird er von New York nach Dortmund übersiedeln um dort die musikalische Leitung am Dortmunder Schauspiel unter Kay Voges zu übernehmen.

John Andrews ist der neue Gitarrist von Bauhaus-Legende Peter Murphy und ist derzeit auch wieder mit Nena auf Tournee.

Anne de Wolff steuert auch dieses Mal die unwiderstehlichen Streicherarrangements bei und auch ihr Trompeter-Kollege von Calexico Martin Wenk ist auf dem Album zu hören.
Der langjährige Bassist Christian Bongers übergab den Bass an Dana Schechter, die alsbald vom American Music Club angeheuert wurde.

Udo Masshoff (Readymade) und Mark Stepro (Ben Kweller) halfen als Drummer aus, bevor mit Schlagzeuger Dave Berger aus New Orleans und Bassist Jason Binnick das aktuelle Line-Up gefunden wurde. Auf der Februar/März Europatournee mit 25 Terminen war als Very Special Guest der spektakuläre Schlagzeuger Brian Viglione (Nine Inch Nails, Dresden Dolls) zu erleben.
www.rent-a-dog.com